Arbeitsgruppe Psychologische Diagnostik und Differentielle Psychologie: Prof. Patrick Mussel
Herzlich willkommen auf der Homepage der Arbeitsgruppe für Psychologische Diagnostik und Differentielle Psychologie
Der Arbeitsbereich befasst sich mit der Frage, worin und warum sich Menschen unterscheiden, und wie wir diese Unterschiede messen können.
Die Persönlichkeitspsychologie beschäftigt sich mit Unterschieden im Erleben und Verhalten von Menschen, sowohl intra- als auch interindividuell. Der Arbeitsbereich forscht dabei zur Beschreibung und Struktur von Persönlichkeitsmerkmalen, deren Entwicklung über die Zeit, Vorhersage von Verhalten und Ergebnissen, beispielsweise im Berufskontext, sowie kognitiven und neuronalen Korrelaten der Persönlichkeit. Ein aktuelles Forschungsprojekt befasst sich mit selbst-bezogenen Glaubenssätzen. Dazu wurde ein integratives hierarchisches Strukturmodell entwickelt, das beschreibt, was Menschen über sich in ihrem sozialen Kontext denken. Basierend darauf untersuchen wir, welche Rolle Glaubenssätze für Persönlichkeitsmerkmale wie die Big Five spielen, wie sich Glaubenssätze entwickeln, wie sie Ziele und Verhalten beeinflussen und wie sie für Interventionen, beispielsweise für die Persönlichkeitsentwicklung, genutzt werden können. Weitere Studien befassen sich mit den Konstrukten Intellekt und Gier. Neuronale Korrelate untersuchen wir in elektrophysiologischen Studien mit Paradigmen aus der Verhaltensökonomie.
Die Psychologische Diagnostik befasst sich mit der Frage, wie wir psychologische Merkmale messen können. Die Forschung des Arbeitsbereichs zur Persönlichkeitspsychologie ist dabei eng mit deren Erfassung verknüpft. Am Arbeitsbereich wurden eine Reihe von diagnostischen Verfahren entwickelt, beispielsweise zur Erfassung von Glaubenssätzen (CorBel-Scale), Intellect (Intellect-Scale), oder Gier (GR€€D-Scale). Eine Besonderheit sind kontextualisierte Skalen, die ein Konstrukt unter Berücksichtigung des situativen Kontexts erfasst, wie beispielsweise die arbeitsbezogene Neugierskala WORKS oder das Instrument zur domänenspezifischen Erfassung von Gier (DOSPEG). Darüber hinaus forschen wir zu Situational Judgment Tests sowie zu innovativen Formaten zur Messung des Schlussfolgernden Denkens. Der Arbeitsbereich legt großen Werten auf Open Science, sämtliche von uns entwickelten und übersetzten Verfahren (z.B. BFAS-G) sind über OSF oder ZPID frei verfügbar. Mit dem Short and Free Reasoning Assessment (SAFRAN) habe wir einen frei verfügbaren Kurzintelligenztest entwickelt, der in nur 15 Minuten schlussfolgerndes Denken erfasst.
Der Arbeitsbereich bietet Lehre sowohl im Bachelor als auch im Master an. Dazu gehören unter anderem die Vorlesungen in Differentielle Psychologie und Psychologischer Diagnostik sowie begleitende und vertiefende Seminare, beispielsweise zu Gesprächsführung, Testentwicklung oder diagnostischen Verfahren. Am Arbeitsbereich werden regelmäßig Themen für Abschlussarbeiten vergeben, die in der Regel in aktuelle Forschungsprojekte eingebunden sind.
Leiter der Arbeitsgruppe
Prof. Dr. Patrick Mussel
Professur für Psychologische Diagnostik und Differentielle Psychologie
Wissenschaftliche Mitarbeitende:
- Chiara Förster
- Lisa Fütterer
Wissenschaftliche Hilfskräfte
- Maximilian Paul
Persönlichkeitsentwicklung
Obwohl Persönlichkeit als über die Zeit relativ stabile definiert wird, gibt es dennoch systematische Veränderungen, und zwar einerseits bezüglich mittlerer Veränderungen über die Lebensspanne, andererseits bezüglich individueller Verläufe im Vergleich zur Referenzpopulation. Um die Entwicklung der Persönlichkeit über die Lebensspanne untersuchen zu können, wurde das German Personality Panel (GePP; Mussel, 2019) gegründet, eine Längsschnittstudie, in der aktuell 1964 Personen teilnehmen.
Das Persönlichkeitsmerkmal Gier
Das Persönlichkeitsmerkmal Gier beschreibt einen unstillbaren Wunsch nach mehr, koste es was es wolle. Ausgehend von der in der Presse geäußerten Vermutung, dass gierige Banker einen entscheidenden Anteil an den Entwicklungen der Finanzkrise 2008/2009 haben, wurde ein Forschungsprojekt zur Untersuchung dieses bis dato wenig erforschten Konstrukts etabliert. Dabei zeigte sich beispielsweise, dass gierige Personen bereit sind, höhere Risiken einzugehen, und dass diese Tendenz mit einer veränderten neuronalen Reaktion auf Gewinne und Verluste einhergeht, die mit Lernen aus Erfahrung in Zusammenhang steht. In einer Studie zur längsschnittlichen Entwicklung der Gier untersuchten wir den Einfluss des sozialen Umfelds sowie negativer Glaubenssätze.
Das Persönlichkeitsmerkmal Intellekt
Intellekt beschreibt die Freude am Denken, Lernen und Entwickeln. Es ist ein sogenannter Investment-Trait und damit ein Persönlichkeitsmerkmal, das die Motivation beschreibt, kognitive Ressourcen zu investieren. Ausgehend von der Frage, welche Rolle Neugier im Rahmen der Arbeits- und Organisationspsychologie spielt (siehe Lievens, 2021), wurde in diesem Projekt ein an das Berliner Intelligenzstrukturmodell angelehntes Modell entwickelt (Mussel, 2013), das Investment-Traits in einem zweidimensionalen Raum abbildet. Weitere Studien aus diesem Forschungsstrang beziehen sich auf die Messung von Neugier, dessen Rolle für beruflichen Erfolg einschließlich situativer Bedingungsfaktoren, die längsschnittliche Entwicklung sowie neuronale Korrelate.
Verschwörungstheorien
Verschwörungstheorien sind Annahmen bezüglich geheimer Absichten einer Gruppe mächtiger Akteure, die gemeinsam daran arbeiten, finstere und böswillige Ziele zu erreichen. Dabei zeigt sich, dass Personen, die an eine Verschwörungstheorie glauben, auch die Neigung haben, anderen Verschwörungstheorien Glauben zu schenken. Diese Tendenz kann also als ein Persönlichkeitsmerkmal einer Person interpretiert werden. In Studien der Arbeitsgruppe untersuchen wir die Hypothese, dass diese Neigung eine Form von Rückzug (von der Gesellschaft, von anderen Personen) darstellt, die au negative persönliche Erfahrungen zurückzuführen sein könnte.
Künstliche Intelligenz
Die technologischen Entwicklungen im Bereich künstliche Intelligenz schreiten rasant voran und wirken sich auch auf die Forschung in der Psychologie aus. Im Rahmen der Forschung am Arbeitsbereich begleiten wie diese Entwicklungen und Forschen zu deren Chancen, Risiken und Limitationen. Studien in diesem Bereich umfassen die Nutzung von Natural Language Processing für die Forschung von Persönlichkeitsstruktur, die Nutzung von generativen Chatbots wie ChatGPT für die Entwicklung psychologischer Testverfahren, sowie die Implikation der Verfügbarkeit und zunehmenden Verbreitung künstlicher Intelligenz auf die Diagnostik im Anwendungskontext der Personalauswahl, insbesondere im Rahmen von Testdurchführungen in ungeschützter Umgebung (zum Beispiel von zu Hause).
